Faktencheck zu "maischberger. die woche"

Sendung vom 08.12.2021

Faktencheck

Die Gäste (v.l.n.r.): Stefan Aust, Prof. Jonas Schmidt-Chanasit, Kristina Dunz, Kevin Kühnert, Oliver Kalkofe, Friedrich Merz
Die Gäste (v.l.n.r.): Stefan Aust, Prof. Jonas Schmidt-Chanasit, Kristina Dunz, Kevin Kühnert, Oliver Kalkofe, Friedrich Merz | Bild: WDR / Oliver Ziebe

Bei Maischberger wird engagiert diskutiert, Argumente werden ausgetauscht, es wird auch schon mal emotional und manchmal bleibt am Ende keine Zeit, um alles zu klären. Wenn Fragen offen bleiben, Aussagen nicht eindeutig waren oder einfach weitere Informationen hilfreich sein könnten, schauen wir nach der Sendung noch einmal drauf – hier in unserem Faktencheck.

Und das schauen wir uns an:

  • Wie effektiv schützen FFP2-Masken vor einer Corona-Infektion?

Wie effektiv schützen FFP2-Masken vor einer Corona-Infektion?

Mit dem Virologen Prof. Jonas Schmidt-Chanasit sprachen wir u.a. über die aktuelle Studie des Göttinger Max-Planck-Instituts, wonach FFP2-Masken einen deutlich höheren Schutz vor einer Corona-Infektion bieten als bislang angenommen. Schmidt-Chanasit gab einschränkend zu bedenken, dass dieser Schutz nur bei korrekter Anwendung der Maske gewährleistet sei, die im Alltagsgebrauch jedoch nicht immer umgesetzt werde. Weil diese Aussage im Anschluss an die Sendung für einige Diskussionen sorgte, wollen wir uns die Faktenlage hier noch einmal genauer anschauen.

Schutz vor Infektionen: Wie effektiv ist die FFP2-Maske?

Maischberger: "Die Masken schützen sogar noch mehr als man bisher gedacht hat. Das war eine Studie vom Max-Planck-Institut, die auch in diesen Tagen erschienen ist."

Schmidt-Chanasit: "Ja, die kann man so oder so beurteilen. Da muss man dann auch sehr ins Detail gehen, da ging es ja auch um die FFP2-Masken. Natürlich ist es klar, wenn man die FFP2-Maske richtig verwendet, dass sie korrekt sitzt, was eben nicht trivial ist, dann schützt sie besser als eine OP-Maske. Das ist, glaube ich, jedem klar. Nur auf Bevölkerungsebene ist das nochmal etwas ganz Anderes. Wer hat schon eine wirklich passende FFP2-Maske und testet das auch, dass sie dicht ist? Also, das ist eine unheimliche Herausforderung. Darum gibt es auch ganz klar die Stellungnahmen der wissenschaftlichen Fachgesellschaften dazu – Krankenhaushygiene und Mikrobiologie –, die sagen, auf Bevölkerungsebene hat eine FFP2-Maske nichts verloren. Die hat in den Bereichen etwas zu suchen, wo es wirklich wichtig ist, Krankenhäuser und entsprechend, wo man viel Kontakt mit vulnerablen Menschen hat."

Stimmt das? Wie effektiv schützen FFP2-Masken vor einer Corona-Infektion?

Anfang Dezember veröffentlichte das Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS) aktuelle Studienergebnisse zur Wirksamkeit von FFP2-Masken. Sie zeigen: Wenn ein infizierter und ein gesunder ungeimpfter Mensch bei der Begegnung in einem Innenraum auf kurzer Distanz eine solche Maske tragen, liegt die Ansteckungsgefahr auch nach 20 Minuten nur bei 0,1 Prozent. Ist die Person geimpft, sinkt das Ansteckungsrisiko sogar noch weiter, so die Forscher. Im Gegensatz dazu steht das Ergebnis bei Begegnungen von zwei Personen, die keine Maske tragen: Wenn in diesem Fall ein gesunder Mensch mit drei Metern Abstand wenige Minuten in der Atemluft eines Infizierten stehe, werde er sich mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent anstecken, so die Studie. 

Die Forscher betonen allerdings, dass diese enorme Schutzwirkung nur bei richtiger Trageweise der FFP2- Maske gegeben sei. Für optimalen Schutz muss der Nasenbügel demnach zu einem "abgerundeten W" geformt werden, so dass er seitlich auf die Nasenflügel drückt. Bei schlecht sitzenden FFP2-Masken liege das Infektionsrisiko im gleichen Szenario bei rund vier Prozent. Die Analyse der Forscher zeigt auch, dass dicht abschließende FFP2-Masken im Vergleich zu gut sitzenden OP-Masken 75 mal besser schützen. Dennoch senken auch medizinische Masken bei guter Passform die Infektionsgefahr auf maximal zehn Prozent.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sah sich durch die Studie in seiner Haltung zur Maskenpflicht in Schulen bestätigt. "Die Studie ist besonders für Kinder jetzt relevant. Wenn sie in der Klasse eine FFP2-Maske so tragen, dass sie eng anliegt, ist ihr Infektionsrisiko fast Null. Tragen sie keine Masken, ist es extrem hoch", schrieb Lauterbach kurz nach Veröffentlichung auf Twitter. Schon im April hatte Lauterbach eine FFP2-Maskenpflicht am Arbeitsplatz gefordert. 

Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) empfahl schon vor Veröffentlichung der Studie, in bestimmten Alltagssituationen eine FFP2-Maske zu tragen, etwa im öffentlichen Nahverkehr. Die Behörde betonte aber ebenfalls die Bedeutung einer korrekten Trageweise.

Dass FFP2-Masken nur dann besonders effektiv sind, wenn sie korrekt sitzen, erklärt die von Prof. Schmidt-Chanasit in der Sendung angesprochene Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) in einer Stellungnahme aus dem Juli 2021. Die Fachgesellschaft kritisiert darin die fehlenden Auswahlmög­lich­keiten für eine dem Gesicht angepasste Maske sowie das Fehlen von Schu­lun­gen für richtiges Tragen. Auch bemängelte man, dass fachgemäße Dichtsitzprüfungen im alltäglichen Gebrauch die Seltenheit sind.

Grundsätzlich also gilt: Je besser eine Maske sitzt, desto geringer ist die Gefahr, dass potenziell virushaltige Tröpfchen und Aerosole austreten. Entsprechend kann das Risiko auch verringert werden, indem sich maskierte Menschen von Gesicht zu Gesicht (und nicht seitlich) begegnen. Ebenso führt ein zusätzlicher größerer Abstand zueinander zu einer weiteren Risikoreduktion. Vor dem Auf- oder Absetzen der Maske sollten die Hände gewaschen und desinfiziert werden. Zudem sollte die CE-Kennzeichnung auf der Maske kontrolliert werden. Sie zeigt, dass diese die gesetzlichen Anforderungen erfüllt. 

Es wird empfohlen, die Masken regelmäßig zu wechseln. Wie das RKI auf seiner Website mitteilt, handele es sich bei FFP2-Masken in der Regel um Einmalprodukte. "Grundsätzlich sind sie nicht zur Wiederverwendung vorgesehen", schreibt auch das Bundesgesundheitsministerium (BMG). Wer seine Maske dennoch nicht nach jedem Tragen wegwerfen möchte, hat mehrere Optionen, die das BMG empfiehlt: Zum einen gebe es die Möglichkeit, die Maske sieben Tage lang aufzuhängen. "Die Untersuchungen zeigen, dass nach sieben Tagen Aufbewahrung die Menge der infektiösen Coronaviren auf und in den Masken auf ein akzeptables Maß verringert werden konnte." Zudem bestehe die weitere Option, die Maske in einem Gefrierbeutel für zehn Minuten zu kochen, um sämtliche "Keime der Haut-, Nasen- und Rachenflora nahezu vollständig" zu eliminieren. Eine dritte Möglichkeit ist, sie für 60 Minuten in den Backofen bei 80 Grad Ober- oder Unterhitze zu geben.

Fazit: Virologe Prof. Jonas Schmidt-Chanasit äußerte sich in unserer Sendung zur aktuellen Studie des Max-Planck-Instituts, die einen 99,9-prozentigen Infektionsschutz durch FFP2-Masken bescheinigt. Schmidt-Chanasit merkte an, dass ein solch idealer Schutz auf Grund falscher Trageweise im Alltagsgebrauch kaum erreicht werde. Festzustellen ist hier, dass auch die Göttinger Forscher die Wichtigkeit eines dichten Maskensitzes betonen. Bei schlecht sitzenden FFP2-Masken erhöhe sich das Infektionsrisiko entsprechend. Grundsätzlich liege es aber auch dann mit etwa vier Prozent noch deutlich niedriger als bei einem Menschen ohne Maske. Auch schützt die schlecht sitzende FFP2-Maske den Daten zufolge besser als eine gut sitzende OP-Maske (10 Prozent Infektionsrisiko). Generell gilt: Je besser eine Maske sitzt, desto besser schützt sie. Zusätzlich ist auf regelmäßige Händedesinfektion beim Auf- und Absetzen zu achten. Außerdem sollten die Masken regelmäßig gewechselt und ggf. gemäß den offiziellen Empfehlungen gereinigt werden.

Stand: 9.12.2021

Autor: Tim Berressem