SENDETERMIN Mo., 11.10.21 | 22:50 Uhr | Das Erste

Story im Ersten: Das Afghanistan-Desaster

Play"Wofür habe ich in Afghanistan gekämpft?", fragt die ehemalige Soldatin Corinna Kirchhöfer.
Das Afghanistan-Desaster | Video verfügbar bis 11.10.2022 | Bild: NDR / Corinna Kirchhöfer

150.000 deutsche Soldatinnen und Soldaten haben in Afghanistan ihren Kopf hingehalten für die Bekämpfung von Terroristen und für den Aufbau des Landes. Ihre Familien zu Hause haben gezittert und gebangt, haben bei jedem "tagesschau"-Bericht über Anschläge angstvoll am Telefon gewartet.

Die NDR-Reporterin Rita Knobel-Ulrich hat vor zehn Jahren für den Film "Papa ist im Krieg" drei junge Männer und eine junge Frau auf ihrem Weg an den Hindukusch und ihre Familien zu Hause begleitet. Während des Einsatzes wurden drei ihrer Kameraden bei einem Anschlag getötet. Als die Überlebenden zurückkehrten, waren sie nicht mehr dieselben.

Jetzt hat die Reporterin diese Familien erneut besucht. Alle waren sofort bereit, mit ihr zu sprechen. Was geht ihnen durch den Kopf, wenn sie die siegreichen Taliban, den chaotischen Abzug der internationalen Truppen, die dramatischen Bilder am Flughafen sehen? Was ist schiefgelaufen? Wie empfinden sie die Niederlage? Und sind ihre Gedanken bei den Zurückgelassenen, die sie womöglich persönlich kannten?

59 deutsche Soldaten haben den Einsatz in Afghanistan nicht überlebt

"Wofür habe ich in Afghanistan gekämpft?", fragt Ex-Soldatin Corinna Kirchhöfer.
Ex-Soldatin Corinna Kirchhöfer | Bild: NDR / Corinna Kirchhöfer

Der Vater der Soldatin Corinna Kirchhöfer war schon damals skeptisch: Wenn sich die NATO eines Tages zurückziehen würde, sagte er, würden in Afghanistan die Uhren wieder zurückgedreht. Hat er recht gehabt? Jetzt sitzt seine Tochter schockiert vor dem Fernseher über den "planlosen Abzug" aus Kabul. Sie zuckt heute noch zusammen, wenn ein Kampfjet oder ein Hubschrauber ihr Haus überfliegt. War es das wert, fragt sie sich nach dem Sinn des 20 Jahre langen Krieges in Afghanistan.

59 Soldaten haben den Einsatz in Afghanistan nicht überlebt. Einer von ihnen war Josef Kronawitter. Rita Knobel-Ulrich reiste damals in sein bayerisches Heimatdorf. Seine Verlobte war schwanger, bekam noch während der Dreharbeiten das gemeinsame Kind.

Die Autorin hat die Mutter von Josef Kronawitter jetzt wieder besucht. Ihr Sohn hatte in Afghanistan Schulen geschützt, Gerichte, in den Frauen den Vorsitz führten, hat Polizisten und Soldaten ausgebildet. Hat er sein Leben umsonst eingesetzt?

Die Dokumentation liefert aufschlussreiche und berührende Einblicke in die Sicht deutscher Soldatinnen und Soldaten auf den verlorenen Krieg in Afghanistan.

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